Till Velten’s symphony.land – Eine soziale Symphonie

 

Die Grundlage des Projekts bildet Beethovens 4. Symphonie, als exemplarisches, aus einer Flucht hervorgegangenes Werk. Motive aus Beethovens Komposition durchwirken das Programm, in dem das Thema der Flucht eine zentrale Rolle spielt. Flucht vor Krieg und Terror, Flucht aber auch nach innen – vor dem Leben und ins Leben. Das Gegenmotiv zur Flucht ist die Heimat: Der Aufbau einer neuen Heimat – durch Sprache, durch Begegnung, durch Musik. Hilflosigkeit und Verzweiflung verwandeln sich so über Bühnenauftritte, die Mut, Ausdruckskraft und Entblössung erfordern, in neues Leben, neue Sensibilität und Stabilität. 

 

Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen kommen auf der Bühne zusammen und gehen das Wagnis ein, sich mit ihren Stärken und ihren Verletzlichkeiten zu exponieren. Zum Beispiel ein syrischer Oud-Spieler, dessen Instrument alle Geheimnisse des Geflüchteten kennt, ein Teufelsgeiger aus dem Irak, der aus dem Stegreif Paganini spielt, ein Sufi-Tänzer aus Afghanistan, der sich im Tanz eine neue Heimat schafft, oder ein verlorener Sänger aus Finnland, der in der Musik von Henry Purcell nach neuem Leben sucht. Als Ergänzung zu den musikalischen Auftritten erzählen einige von ihnen auch mündlich ihre Geschichte. Der Schauspieler Malte Scholz tritt als verbindender «Presenter» auf, sekundiert vom «Chor der Praktikantinnen», die mit den Musikern Skulpturen und Ketten einer Heimat plastiziert haben und über diese Erfahrungen einen Echoraum singen. 

 

symphony.land ist eine Collage von Ost und West, Musik und Erzählung, Scheitern und Erfüllung. Die unterschiedlichen «ways of leaving», Wege des Weggehens (Zitat eines syrischen Flüchtlings) münden in ebenso unterschiedliche Wege des Ankommens, des Neubeginns. Getragen wird die Aufführung, die Profis und Laien zusammenbringt, von den Emotionen, mit der verschiedenste Lebenswege sich in der Musik begegnen.

 

Till Velten’s symphony.land – Eine soziale Symphonie

Eine musikalische Collage zwischen Flucht und Heimat

 

Till Velten, künstlerische Leitung

Malte Scholz, Text und Präsentation

Beethoven Bearbeitungen: David Doblhofer

Mit dem Ensemble der Geflüchteten, Wien, unter der Leitung von Ayman Hlal, und verschiedenen Soloakteur/innen, präsentiert von Malte Scholz und dem Chor der Praktikantinnen.

 

 

Ensemble

Geflüchtete und Musizierende aus Wien und Umgebung spielen unter der Leitung des syrischen Komponisten Ayman Hlal eigens für symphony.land komponierte Stücke, die wie bei Beethoven 4. Symphonie den Ausgangspunkt in der Flucht haben.

 

Leitung: Ayman Hlal, Violine, Berlin

Weitere Musiker/innen:

Basilius Alawad, Cello, Berlin

David Doblhofer, Kontrabass, Linz

Bashar Hassan, Violine, Linz

Orwa Faraj-Alshoufi, Oud, Wien

Plamena Mitkova Ivanova, Viola, Wien

Fadi Mestrih, Klavier, Seckau (AT)

 

Solist/innen

Bei symphony.land spielen mehrere Flüchtende als Solist/innen, teilweise mit Werken aus ihren Herkunftsländern. Während der mehrmonatigen Probenarbeit erarbeitete Jutta Dennstedt (SFU Wien) gemeinsam mit ihnen aus ihrer Erfahrung von Heimat und Sehnsucht, inspiriert von der Auseinandersetzung mit Beethovens Musik, einen begehbaren Skulpturen-Parcours.

 

Franziska Adensamer, Querflöte und Akkordeon, Wien

Khaled Aga, Gesang, Wien

Samer Alkurdi, Sufi-Tanz, Wien

Farid Feyzullayev, Violine, Wien

Peccu Frost, Gesang, Finnland

George Naser, Gesang und Oud, Innsbruck

Ahmed Shqaqi, Oud, Wien

 

Präsentation

Präsentiert wird symphony.land vom Schauspieler und Texter Malte Scholz, begleitet vom Chor der Praktikantinnen aus dem Kurs mit Jutta Dennstedt (SFU Wien):

 

Franziska Ademsamer, Wien

Kathy Eichhorn, Sulz im Wienerwald

Sue Wohlheim, Wien

Memo Sharif, Sulz im Wienerwald

 

 

organisation

Jutta Dennstedt, Skulpturenworkshop Solist/innen, SFU Wien

Michael Hiltbrunner, Assistenz Till Velten

Wael Ibraheem, Vernetzung Solist/innen, Wien

Simon Maurer, künstlerische Beratung

Daria Tchapanova, künstlerische Dokumentation, Wien

Christa Ziegler, Organisation Hauptprobe Wien

 

Film

Das Projektteam dreht einen Film über die Besiedlung der temporären Heimat symphony.land. Der Film endet mit der am 4. August 2017 sorgfältig inszenierten Hauptprobe im Eroica-Saal des Palais Lobkowitz in Wien, wo Beethoven 1807 seine Komposition erstmals vor geladenem Publikum zur Aufführung brachte. Der Film als eigenständiges Musikerlebnis ist sozusagen die Neu-Inszenierung dieses klassischen Werkes. Zudem enthält er Interviews mit Mitgliedern der Familie Oppersdorff und weiteren Gesprächspartnern.